VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 03/07 vom 17.01.2007

Und es geschah, dass ein junger Lokalreporter der Presse bei uns vorstellig wurde und sich erbot, über Sport zu schreiben, auf eine Weise, die es bisher nicht gegeben habe in Österreich. Er musste sich (seines Arbeitsverhältnisses bei der Presse wegen) eines Pseudonyms bedienen und nannte sich Stefan Sprung. In Wahrheit hieß er Johann Skocek, und er machte mit Gustl Starek, dem schwarzen Gustl, damals Trainer von Admira Wacker, ein Interview, das sich so las:

"Herr Starek, fühlen Sie sich als eine Art Fratz der Nation?

Aber nein, in Wahrheit bin ich doch a eher ruhiger Mensch. Und schaun'S, der Wirbel beim Rapid-Match, mein Gott, wir waren 2:0 gegen Rapid hinten und ich woa natürlich unzfrieden. Da nimmt der Dötzl (rechter Außendecker der Admira) dem Lainer (rechter Außendecker von Rapid) den Ball weg - und lasst halt den Fuß stehen. Mein Gott, a scho was! Und der Leo Lainer wuzelt sich, als ob a Panzer über eam drüber g'fahren wär. Bin i halt hin zu eam und hab' gsagt: heast steh auf, du ...!"

Bei den Haaren soll'n Sie ihn g'rissen haben?

Aber geh, i hab ihm aufg'holfen. I kenn des ja, ein Fußballer genießt des, sag ich Ihnen. Das Publikum schreit fia di, du bist vurn, da spielst halt a bisserl Theater. Und dann kummt der Weber (Libero bei Rapid) auf mi zua und schreit mi an, i soll den Leo in Ruh lassen. Hab i zruckgschrian: Halt die Gosch'n, du ... Hund!"

Skocek: "Wenn er so, die Augen weit aufgerissen vor der Schlechtigkeit der Welt, die ihm mindere Motive unterstellt, vor sich hin erzählt, hängt die Fußballwelt wieder in den alten starken Angeln des Wiener Schmähs. Quietscht zwar ein bisserl, ist aber schön anzusehen." Und fragt weiter:

Es gibt Leute, die verstehen den Fußballtrainer auch als Pädagogen! Was halten Sie von der erzieherischen Seite Ihres Berufs?

Der Fußballsport passiert nicht im Klassenzimmer. Da ist es sogar schlecht, wenn einer zu ruhig agiert!" A.T.


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