AUFGEBLÄTTERT

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 03/07 vom 17.01.2007

Graz in den Sechzigerjahren. Ein junger Mann beobachtet in der Straßenbahn fasziniert zwei junge Mädchen, die sich streicheln und küssen. "Das eine war schwarzhaarig, das andere hatte langes braunes Haar, zwei ephebische Wesen, Luftgeister. Als sie sich voneinander lösten, sah ich, dass es gar nicht zwei Mädchen waren. Es waren Peter Handke und Libgart Schwarz." Der junge Grazer heißt Peter Simonischek und ist heute ein berühmter Schauspieler. Er spielte zwanzig Jahre an der Berliner Schaubühne, ist seit 1999 am Burgtheater engagiert und gibt bei den Salzburger Festspielen seit 2002 den Jedermann. "Ich stehe zur Verfügung" heißt das Interviewbuch, in dem der sechzigjährige Simonischek im Gespräch mit dem Schweizer Kritiker Andres Müry aus seinem Leben plaudert. Die zitierte Tramway-Episode ist symptomatisch für das ganze Buch: Man erfährt wenig Substanzielles über das Theater und die Schauspielerei, aber es ist angenehm uneitel und nicht unwitzig geraten. Simonischek-Fans


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