Frau Andrea fragt

Schnitzel Gusenbauer

Stadtleben | aus FALTER 03/07 vom 17.01.2007

Liebe Frau Andrea,

die Ergebnisse der Koalitionsverhandlungen lassen mich aussehen, als hätte ich in eine Zitrone gebissen. Apropos: Warum wird in Österreich alles Herausgebackene mit einer Zitronenspalte serviert, wo doch der Saft die herrlich-knusprige Panier aufweicht?

Ihre saure Beatrice Eipeldauer

Liebe Beatrice,

die Schnitzel, die Neobundeskanzler Alfred Gusenbauer dieser Tage aufgetragen hat, wurden bekannterweise noch von Friturier Wolfgang Schüssel paniert. Die Ohrfeigen, die der sozialdemokratische Chef de Cuisine dafür abhaselt, sind unsauber adressiert. Wie auch immer, Zitronengesicht Schüssel hat sich mittlerweile in die Niederungen des Parlamentarismus verabschiedet, Karl-Heinz Grasser, der Schnittlauch auf der Suppe der letzten sieben Jahre, beschäftigt sich ab sofort nur mehr mit privater Wirtschaft. Zitronen auf österreichischen Schnitzelkrusten sind durchaus kein Knusperfeind. Strategisch beträufelt verfeinert der saure Saft der Zitrone das Aroma jeder Panade. Dazu sollte man ohnedies eine entkernte Zitronenhälfte nehmen. Die Zitrusräder, die traditionell auf Schnitzeln dümpeln, wollen wir gemeinsam ablehnen. Aus meiner Kindheit im Ausseerland ist mir noch ein anderer, ebenso österreichischer wie perfider Zweck von Zitronen in Erinnerung. Die knallgelben Zitrusfrüchte kann man jederzeit gut brauchen, um Blasmusikkapellen zum augenblicklichen Verstummen zu bringen. Schon beim Anblick von Zitronen verzieht es jedem Trompeter das Mundstück.


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