"Alles verloren"

Grenzwertig gut

Steiermark Kultur | aus FALTER 04/07 vom 24.01.2007

Gott schafft, Binder&Krieglstein nehmen. Alles, was nicht festgenagelt ist, wird in ihrem swingenden und rhythmusfixierten Universum neu zusammengeschustert. Wenn auf den bisherigen Alben in einer mitunter unkontrollierten Tour de Sample die Leisten teilweise zu brechen drohten, so legt sich auf "Alles verloren" die Soundarbeit des Produzenten Shantel als homogenisierender Film über das postmoderne Stil-Flickwerk. Und geflickt wird, dass die Finger bluten: So liebäugelt Ragga hier schon mal mit Frank Zander, Vocoder-Stimmen - mehr Euro-Trash als Kraftwerk - beschwören den Geist der bösen Schlagerwelt und richtig unseriös folkloristische Gitarrenarrangements sowie weltmusikalische Versatzstücke sorgen für Irritation. Dennoch ist der Popappeal unverschämt und schmerzt wohltuend entlang der Grenze guten Geschmacks. Und kann wie im Falle von "Piraten" (Gesang von Gustav) punktgenau treffen. Manchmal wird das Prinzip Pop vielleicht ein wenig zu ordinär ausgewalzt, wirklicher Plattheit schlagen Binder&Krieglstein dennoch immer gekonnt ein Schnippchen.

Binder&Krieglstein: "Alles verloren", Essay Recordings/

Universal. Web: www.mikaella.org/bk


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