hundert jahre zeitausgleich

Steiermark Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 04/07 vom 24.01.2007

Die Rückkehr der neoliberalen Sau

Fragen Sie sich auch manchmal voller Panik, wo eigentlich Ihr Grazbezug ist? In Ihrer Lebenshaltung, Ihrem Bewusstsein, Ihrem Freundeskreis, Ihrer Inneneinrichtung? Wenn er verloren gegangen ist, ist es Zeit zu gehen. Dann geht man raus in die Welt, kommt zurück und findet, dass Graz irgendwie so was wie eine Wellnessoase ist, über der ein seltsam friedliches und korrektes Grinsen liegt. Man hat inzwischen woanders Karriere gemacht und ist eine neoliberale Sau. Man sagt Dinge wie: "Irgendwo da draußen existiert eine Kugel, auf der der Name Ihres Unternehmens steht", weil man Management-Guru in Harvard geworden ist. Man stellt erstaunt fest, dass solche Kugeln in Graz nicht existieren und dass einem, seit man zurück ist, mit einem Mal alle in den Arsch kriechen. Von dort haben sie den besten Blick auf die Blase (schon wieder ein Grazbezug!). Der ist für die Grazer echt wichtig, wie wir dieser Tage erfahren haben, darum ist auch ein heftiger Streit um eine Handvoll Bäume entbrannt, die ihn verstellen. Die neoliberale Sau kann sich über solche Kleinigkeiten selbstverständlich nur wundern und genießt weiter Lebensgefühl pur. Und dann stellt sie sich vor, sie wäre geblieben, dann wäre sie vielleicht jetzt auch ein linksliberaler Parkwächter, würde ein fröhliches Lied auf den Lippen haben und hin und wieder jemanden beanstanden.


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