VOR 20 JAHREN IM FALTER

Vorwort | aus FALTER 04/07 vom 24.01.2007

Gestatten Sie mir, im Rückblick ein wenig vorzugreifen. Wir bleiben im Jahr 1987, schlagen aber im Oktober nach. Damals stritt die Führung des profil miteinander; Herausgeber Lingens entließ Chefredakteur Voska, einen langjährigen Weggenossen. Die Falter-Anzeigenabteilung hängte Leintücher beim Fenster hinaus, in denen sie sich mit Voska solidarisierte (wir hatte unsere Sträuße mit Lingens, und die Redaktion lag vis-à-vis dem profil): "Valter für Foska" stand darauf. Später kehrte Voska zurück, erst nach dem profil-Streik musste er endgültig gehen, aber dazu kommen wir in ein paar Jahren.

1987 fragte Mischa Jäger Voska, ob es im profil um einen Konflikt "liberale Blattführung" contra "Rechtsruck" gehe. Voska: "Ja, in einer Meldung hat es geheißen, man muss den liberalen Lingens vor dem konservativ-reaktionären Voska schützen, in einer anderen war es aber wieder umgekehrt: Man muss den Voska vor dem konservativen Wolf schützen. Ich habe jedenfalls keine Freunde, die so stark wären (dass sie mir helfen könnten), oder die ich auch nur darauf angeredet hätte. Man kann eine Zeitung nicht machen in so einer Abhängigkeit, da hätte ich mir schon vor zehn Jahren die Kugel geben müssen. Im Gegenteil, bei mir war es so, dass die zwei Freunde, die ich hab, das sind der Bergmann und der Marboe, bös' waren, weil sie von jemand anderem erfahren haben müssen, dass ich gekündigt bin, und gesagt haben, bist wahnsinnig, was sagst uns das nicht?! So war es. Entspricht auch meinem Naturell, dass ich sage: Na, betteln geh ich nicht."

Auf die Frage, ob die beiden einen Einfluss in der Eigentümerkonstruktion hätten, sagte Voska trocken: "Nur auf der Plauderebene. Sonst null." Voska hatte noch eine Idee: Journalisten müssten mit 45 Jahren aufhören müssen, denn danach gehe es ihnen wie ihm: Sie verlören die Lust an der österreichischen Politik. Alles sei dann schon einmal dagewesen. - Letzte Woche starb der langjährige profil-Chefredakteur Helmut Voska im Alter von 65 Jahren in Wien. A. T.


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