STANDPUNKT

Verdächtige Weiber

Politik | aus FALTER 04/07 vom 24.01.2007

Frechheit, da kommt so eine Kinderlose daher und macht uns das heilige Muttidasein schlecht - noch dazu eine ÖVPlerin! Andrea Kdolskys wohltuend klare Aussagen über die "politische Verklärung der Mutterschaft" und die "Idealisierung der Elternschaft" waren für heimische Verhältnisse zu harter Stoff. Da hyperventilierten nicht nur Parteifreunde und das BZÖ, sondern auch die bürgerlichen Kommentatoren. Eine Zynikerin, eine Kinderfeindin als Familienministerin? Dabei kann jemand, der nicht von Elternhormonen oder Kinderhass vernebelt ist, nur anerkennend sagen: Kdolsky hat echt Mut. Sie pfeift sich nicht um Ideologien und spricht halt ehrlich aus, was jede gescheite Mutter, jeder vernünftige Vater zugibt: Ja, Kinder sind nicht nur die reine Freude, sie nerven manchmal auch gewaltig und vermiesen ihren Eltern das Leben. Statt über die kinderlose Ministerin herzuziehen, sollten sich manche einmal ihren unguten Umgang mit Nichtmüttern überlegen. Ab dreißig muss man sich als Frau regelmäßig unverschämt anquatschen lassen, wie es denn mit der Reproduktion ausschaut - besonders gerne von Typen, die sich um den eigenen Nachwuchs nichts scheren und für die Karenz ein Fremdwort ist. Kinderlosigkeit ist dann akzeptiert, wenn die Frau nicht schwanger werden kann, das arme Hascherl. Alle anderen sind irgendwie komische Weiber und stehen unter Verdacht. J. O.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige