AUFGEBLÄTTERT

Kultur | Katrin Schuster | aus FALTER 04/07 vom 24.01.2007

Den einen sind sie ein Graus, den anderen bedeuten sie das entscheidende bisschen lebendige Flora im Haus: die Zimmerpflanzen. Wo Wald und Wiesen so rücksichtslos romantisch kultiviert werden, kann die Literatur nicht weit sein, "Natur aus zweiter Hand ... bestellbar bei jedem Blumenversand", dichtete einst schon Josef Hader, um dem die Aufforderung "Topfpflanzen, bitte geht's spaziern!" folgen zu lassen. Nun hat Hanne Kulessa die floralen Mitbewohner 14 Schriftstellern anvertraut, darunter Ulrike Draesner, Evelyn Grill, Karl-Heinz Ott, Katja Lange-Müller, Franz Hodjak. In der Anthologie "Grüne Liebe, Grünes Gift" gebärdet sich die heimelig eingetopfte Natur ziemlich unheimlich: Nicht wenige der Blättertreiber und Sonnenanbeter dieses Bandes verwüsten Wohnungen, verschlingen Menschen oder verleiten gar zum Mord. So also siegt die Natur. Doch das nur, weil die Sprache ihr so herrlich bös und schlau zur Seite steht.

Man kann die 378 Seiten von "Stimmenfang" aufschlagen, wo man will,


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