STADTRAND

Sahnestückchen

Stadtleben | aus FALTER 04/07 vom 24.01.2007

Unfassbar, was unlängst auf der Tageskarte eines alteingesessenen Cafés am Stephansplatz zu lesen war: "Apfelpfannkuchen" gab's da als Dessert, kein Scherz. Ja, wo sind wir denn? Das geht doch nicht! Setzen sie demnächst im Wiener Wirtshaus Königsberger Klopse auf die Karte? Müssen wir bald Berliner Weiße mit Schuss trinken (was immer das ist) oder Kölsch statt Krügerln? Irgendwie nimmt das Deutsche gerade ein bisschen überhand hierzustadt. Kapiert das die Gast-und Werbewirtschaft nicht? Wer in Wien lebt (oder auch wer hier zu Besuch ist), der möchte keine "leckere Sahne", weder im Kaffeehaus noch im Werbefernsehen. Sahne statt Schlagobers ist ein Schlag ins Gesicht für jeden Wienmenschen. Sollen sie doch, bitteschön, eine bundesdeutsche Gaststätte aufsperren mit Pfälzer Saumagen, roter Grütze und Schwäbischen Maultaschen, mit "Wienerle" und muffigem Personal aus Mecklenburg-Vorpommern. Von uns aus. In alteingesessenen Wiener Cafés oder Wirtshäusern hat so was nichts zu suchen. Ebensowenig wie Curryhuhn oder Zitronengrasrisotto. Noch Nachschlag? Nee, oder? C. W.


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