Die Menschenschleuse

Jan Tabor | Stadtleben | aus FALTER 04/07 vom 24.01.2007

ARCHITEKTUR Seit ein paar Wochen verbindet ein neu gestalteter unterirdischer Gang die Secession mit der Karlsplatz-Passage. Gedanken über autoritäre Architektur und kuratierte Kunst.

Ein Bauwerk wie ein Traum: die neue Westpassage am Karlsplatz. Ein unterirdischer Passantengang, kühn gedacht und prachtvoll gestaltet, wie man ihn seit der Blüte der Unterführungen in Wien in den Fünfziger-und Sechzigerjahren nicht mehr kennt. An Marmorplatten für die Wände, Granitplatten für den Boden und Neonleuchten für die Decke sowie an Kunst für den öffentlichen Raum wurde hier nicht gespart. "Passagen sind Häuser oder Gänge, welche keine Außenseite haben - wie der Traum", schrieb der Philosoph Walter Benjamin in seinem "Passagenwerk".

Ein Bauwerk wie eine Traumillustration für die Thesen von Michel Foucault und Marc Augé über Überwachungsarchitektur beziehungsweise Nicht-Orte. Ein Alptraum. Eine Passage, welche keine Außenseiter erträgt. Eine protzige Menschenschleuse aus polierten

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