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Revolution light

Politik | aus FALTER 05/07 vom 31.01.2007

Da haben sich die Gewerkschafter aber etwas getraut: Zum ersten Mal in der mehr als fünfzigjährigen Geschichte wurden am ÖGB-Kongress zwei Kandidaten nicht gewählt. Und so ein kleines demokratisches Lüfterl reicht schon, dass der Gewerkschaftskoloss vor der Spaltung steht. Fritz Neugebauer, Chef der schwarzen Beamtengewerkschaft (GÖD), möchte sich nun von der Dachorganisation ÖGB verabschieden. Dass gerade Neugebauer, der weder Zeit noch Lust fand, sich am Kongress sehen zu lassen, einen demokratiepolitischen Skandal ortet, weil die undankbaren Gfrieser ihn nicht wählten, zeigt, was der GÖD-Chef unter gelebter Demokratie versteht. Dabei erhielt er von seinen Leuten nur die Quittung für seine Zustimmung zur vom ÖGB bekämpften Pensionsreform 2003. Auch der zweite Pechvogel, ÖGB-Frauenvorsitzende Renate Czörgits, hat sich ihr Scheitern selbst zuzuschreiben. So viel zu verdienen, dass man sein eigenes Gehalt nicht mehr weiß, kommt bei Arbeitnehmervertretern eben nicht gut an. Das war aber der einzige Hauch von Revolution am Gewerkschafterkongress. Was Inhalte betrifft, gab es keine Überraschungen, sondern eher braves Strukturreformieren. Trotzdem zeigt das Aufbegehren der Basis eines: Die Zeiten, in denen alles, was von der Spitze kam, schweigend abgenickt wurde, sind wohl auch beim ÖGB endgültig vorbei. N. H.


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