AUFGEBLÄTTERT

Kultur | Katrin Schuster | aus FALTER 05/07 vom 31.01.2007

Mit "Pauls Fall" hat Arne Roß ein gar langsames Buch geschrieben - und darin gleicht es seiner Hauptfigur. Die zeigt erste Anzeichen von Vergesslichkeit, seniler Sturheit und anderen altersbedingten Idiosynkrasien. Schwer kommt er hoch von Stuhl und Couch, hin und wieder verlässt ihn die Kraft überhaupt, schon der eigene Mantel wird zum Problem: "Im Ausziehen blieb er stecken, er hatte versucht, ohne die Hilfe der linken Hand, mit der er den Beutel trug, den Arm aus dem rechten zu ziehen, er hatte sich darin verfangen." Dass dieser Tag aus dem vergehenden Leben Pauls nicht zum Rührstück über einen einsamen Senior verkommt, liegt daran, dass Roß eine dichte Beschreibung im besten Sinne gelungen ist: In jedem einzelnen Moment wird gewissen-und ernsthaft notiert, was Paul sagt, wahrnimmt und tut - jede Drehung des Kopfes, jede Ameise und jedes Blatt, das Paul erblickt, vielmehr: bedächtig heranzoomt. Was sieht der nicht alles, was dem Leser in der eigenen Wirklichkeit entgeht: Wimpern


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