Frau Andrea fragt

An Lawendel!

Stadtleben | aus FALTER 05/07 vom 31.01.2007

Liebe Frau Andrea,

erzähl ich vor Tagen vor Kollegen, dass in den Achtzigern, am oberen Ende der Rolltreppe, allmorgendlich, beim Jonasreindl in Wien, eine Frau stand, und: An Lavendel! An Lavendel! sang. Bis ich nach Jahren, später Impuls, einen Lavendel kaufen wollte. Sie aber kannte mich schon, lachte und fragte: Geh! Was brauchen Sie an Lavendel? Und gab ihn mir nur gratis. Ein Kollege zu der Geschichte: Red doch kein Lavendel! Also, was ist dran, am Lavendel? Ihr

Kurt Vallaster, Zwischennetz

Lieber Kurt,

die Lawendelweiber gehörten im vorvergangenen Jahrhundert zum Wiener Straßenbild. Leise noch höre ich den Widerhall der letzten Vertreterin einer ausgestorbenen Kunst: "Kaafts an Lafendl, zehn Schüling a Bischl Lafendl! An Lafendl kaafts!" Unser Lawendelweib dürfte die letzte Textzeile schon abgewandelt haben und "an Lafendl hob i då, wea nimmd mar an å" gesungen haben. Die Lawendelweiber traten oft zu zweit auf und erhoben ihre orientalisch-südländischen Stimmen wechselweise. Es waren meist Romafrauen, die auch wahrsagten. Von diesem Nebengeschäft kommt der Ausdruck "Lawendelschmäh", und die wienerische Bitte, dünner aufzutragen, also "kan Lawendel z'redn". Heute sind nur die Lawendelweiber ausgestorben, der Lawendelschmäh blüht in Feng-Shui-Shops, Duftkerzenläden und Kräutersalons. Auch in provençalischen Zimmerparfumgeschäften und bei Dritte-Welt-Greißlern können wir den ätherisch-herben Duft von Lawendel kaufen und damit unsere Wäschekästen in die Duftwelt des alten Wien katapultieren.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige