SPIELPLAN

Kultur | W. Kralicek / C. Fastner | aus FALTER 06/07 vom 07.02.2007

Die österreichische Erstaufführung der Thrillergroteske "Dunkel lockende Welt" von Händl Klaus war eine schwere Geburt. Wenige Tage vor der für Ende November geplanten Premiere waren Regisseur Tom Kühnel und Bühnenbildner Etienne Pluss ausgestiegen, die Premiere ging - mit ein paar Tagen Verspätung - trotzdem über die Bühne. Dann aber erkrankte eine Schauspielerin, weshalb die zweite Vorstellung im Burgtheater-Kasino erst Ende Jänner stattfand. Und weil der Falter die Premiere leider versäumt hat, kommt jetzt auch die Kritik mit zwei Monaten Verspätung daher. Also: Die Inszenierung lässt sich gar nicht übel an, vor allem Johann Adam Oest in der Rolle eines hilflos-hinterfotzigen Vermieters ist sehr witzig. Regina Fritsch als seine mutmaßlich mörderische Mieterin agiert etwas zu aufgesetzt "künstlich", und Libgart Schwarz als Mutter hat mit ihrem (zugegeben: sauschweren) Text sichtlich Mühe. Insgesamt kein wirklich runder Abend, aber das abgründig-komische Stück kann sich auch so sehen lassen.

Zwei Feuerlöscher stehen von Beginn an auf der Bühne der Kammeroper, denn am Ende von Georg Friedrich Händels "Agrippina" (bis 27.2.) wird die skrupellose Titelheldin mithilfe abenteuerlicher Intrigen ihren Sohn Nero zum Kaiser von Rom gemacht haben. Knapp drei Stunden mitreißende Musik hat Händel 1709 über die antiken Machtspielchen komponiert und das semihistorische Drama damit geschickt in Richtung einer doppelbödigen Komödie gelenkt. Regisseur Peter Pawlik fühlt sich also nicht zu Unrecht an "Dallas" oder "Denver Clan" erinnert und macht aus den boshaften alten Römern kurzerhand miese moderne Mafiosi. Der Schmäh geht auf, nicht zuletzt dank durchwegs hoher schauspielerischer Qualitäten des jungen Ensembles (Armin Gramer, Wiebke Huhs, Philip Zawisza u.a.). Schade nur, dass die sängerische und vor allem die musikalische Seite (Barockorchester der Kammeroper, Bernhard Klebel) zumindest bei der Premiere unter dem gewohnten Niveau blieb.


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