AUFGEBLÄTTERT

Kultur | Martin Lhotzky | aus FALTER 06/07 vom 07.02.2007

Der Fall des toten Mediums Fräulein Löwenstein, den "Die Liebermann Papiere" aufrollen, spielt im kaiserlichen Wien um 1902/03. Er beginnt mit einem klassischen Sujet des Gentleman-Detektivromans, der von innen verschlossenen Tür. Dem vor einem Rätsel stehenden Inspektor Rheinhardt kommt sein Freund, Nervenarzt Dr. Liebermann, zu Hilfe. Die Leichen weiterer Personen tauchen auf, fast alle hatten zu Lebzeiten an der letzten Séance der jungen Dame teilgenommen. Schließlich wird der Täter in einem Showdown am Riesenrad gestellt und unschädlich gemacht. Obwohl die Auflösung zwar nicht rasend originell, so doch (gerade deswegen) als logisch erscheint, wirken die Anstrengungen von Frank Tallis, ein überzeugendes Bild vom Wien des beginnenden 20. Jahrhunderts (nicht 19., wie der Klappentext behauptet) heraufzubeschwören, krampfhaft: Man besichtigt Klimts neuen Beethovenfries, in der Oper bewundert man Gustav Mahler, und Liebermann wendet die Methoden seines berühmteren Kollegen Freud


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