Frau Andrea fragt

Puschelwahnsinn

Stadtleben | aus FALTER 06/07 vom 07.02.2007

Liebe Frau Andrea,

heute Nacht zappte ich durch den nächtlichen Senderwald und blieb zwischen "Finden Sie 17 Tiere, die sich aus den Buchstaben des Wortes Kettensägenmassaker bilden lassen" und "österreichische Städtenamen, die auf z enden" bei der Übertragung der American-Football-Super-Bowl hängen. Faszinierend: Die lamettaschwingenden Cheerleaders. Ist das die US-Variante von Samba?

Fragt etwas naiv Susanne Stelzhammer, Leopoldstadt

Liebe Susanne,

die atemberaubend proportionierten Studentinnen, die in Miniröcken und Tops, wuschelnde Pomponquasten schwingend, übers Stadiongrün hopsen, gehören zu Amerika wie Hamburger und Rock 'n' Roll. Dabei war das Cheering, das Anfeuern viriler Footballcracks, ursprünglich eine Männerdomäne. Das erste Cheerleading der Geschichte fand in den 1880ern an der Princeton University mit einem poetisch wenig elaborierten Schlachtruf statt: "Rah rah rah, tiger tiger tiger, sis sis sis, boom boom boom, ahhhhhhh, Princeton Princeton Princeton!" 1898 dirigierte dann ein gewisser Johnny Campbell die Schlachtrufe seiner Mitschreihälse an der University of Minnesota. Ab den Zwanzigern übernahmen zunehmend Studentinnen den Job. Den zündenden Funken für modernes Quastenschwingen lieferte das Fernsehen, das am 18. Jänner 1979, anlässlich der Super Bowl X, die testosteronstimulierenden Kostüme und ausgeklügelt-spektakulären Tanzschritte der Dallas Cowboys Cheerleaders mit dem Scheinwerferlicht der größten TV-Sendung des Universums multiplizierte.


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