Spielplan

Kultur | B. Hagen / C. Wurmdobler | aus FALTER 07/07 vom 14.02.2007

Der norwegische Felsen, von dem sich zwei Jugendliche in den Tod stürzen wollen, ist im Theater im Zentrum nicht sehr hoch. Ein aufsehenerregender Fall von zwei jungen Menschen, die sich im Chatroom zum gemeinsamen Selbstmord fanden und diesen dann auch ausführten, hat Igor Bauersima zu seinem Stück "norway.today" (bis 28.3.) inspiriert. Im Text ist für diesen Entschluss aber ebenso wenig Platz wie für das glaubwürdige Entstehen der Liebesbeziehung, die aus lebensmüden schließlich lebenshungrige Menschen macht. Dadurch fehlt es auf der Bühne (Regie und Bühne: Alexander Brill) an Lebensnähe, worüber auch die kindlichen Kostüme (Christine Dosch) nicht hinwegtäuschen. Gut sind der Ausgang - deshalb wäre das Stück für Jugendliche vielleicht zu empfehlen - und Stefano Bernardin, der in seinem körperlichen Auszucker mehr von dem nur eingebildeten Lebensüberdruss der Figur verraten darf als in seinem Text. Aber dass der Mann mit seinem Körper arbeiten kann, wissen wir ja schon von "Dancing Stars".

Das Theater zum Fürchten zeigt in der Scala (bis 24.2.) den "König Ubu" von Alfred Jarry. Und weil H.C. Artmann das Stück von 1896, ein wichtiger Vorläufer surrealistischer und dadaistischer Bühnenexperimente, ins "Weanerische" übertragen hat, sind diese Ubus natürlich auch sehr wienerisch. Ingeborg Schwab (!) als hauptsächlich brüllender Vater Ubu und Gabriele Schuchter als dessen schmierige Gattin, das ist Kaisermühlen Hardcore - nur um einiges absurder: Ein Kleinbürger putscht sich zum König, flucht, mordet und bereichert sich. Dass man da mit Psychologie und Realismus nicht weit kommt, hat Regisseur Marcus Ganser durchschaut und zeigt uns "König Ubu" in einem unaufgeräumten Unterschichtensetting als wilden Klamauk. Dass sich ein paar Akteure einen ganzen Haufen Rollen teilen, sind wir in der Scala gewohnt - diesmal ist das sogar ausdrücklich erwünscht. Zu sehen gibt's Ensemblespiel und nicht das schlechteste. Oder um es mit Jarry/Artmann zu sagen: heilige Schreiße. Mit r!


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