Fragen Sie Frau Andrea

Im Dschumpas

Stadtleben | aus FALTER 07/07 vom 14.02.2007

Liebe Frau Andrea,

wieso heißt das Gefängnis "schwedische Gardinen"? Was für Gardinen haben die Schweden eigentlich? Und hat das irgendwas mit Ikea zu tun?

Danke und liebe Grüße,

Nina Kleinberger

Liebe Nina,

ich darf Sie zusätzlich verwirren, das Gefängnis heißt gar nicht schwedische Gardinen sondern Strafvollzugsanstalt. Als schwedische Gardinen bezeichnet man die Gitterstäbe vor den Zellenfenstern. Sie waren aus begreiflichen Gründen aus hartem Material gemacht - Stahl aus Schweden. Denn nichts durfte lange Zeit als härter gelten als die Eisen-Kohlenstoff-Legierungen aus dem hohen Norden Europas. Vor ihre eigenen Fenster hängen Schweden Vorhänge und Rollos aus modernen Pflanzenfasern. Beispiele dieser Verhüllungskultur gibt es in jedem Ikea zu kaufen. Mittlerweile leben deswegen auch eindeutig mehr Nichtschweden hinter skandinavischen Stoffjalousien als Schweden. Stahlgesiebte Luft atmet man im Wienerischen, sobald man im Häfn oder in der Buttn gelandet ist, und dort auf (oder am) Schmoids (Schmalz) ist, also eingesperrt, wo der Kas (Aufseher) mit dem am Bschdeck (Schlüsselbund) hängenden Klitsch (tschechisch für Schlüssel) den Hund (das Zellenschloss) vom Dschumpas (der Zelle) aufschließt. Das Fenstagitta würde ein ausbruchswilliger Wiener - ein Fliaga oder Schimmla - übrigens mit einer englischn Hapfm (einer Feile in Form einer Schnur) durchsägen und dann beulisieren (abhauen). Beziehungsweise an Schuach machen.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige