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Kultur | aus FALTER 08/07 vom 21.02.2007

Sagt ein Gymnasiast zum anderen: "Du, was hat der Prof über das Drama in der Schweiz erzählt?" Antwortet der andere: "Früher schien es frisch, heute dürr und matt." O.k. So witzig ist das auch wieder nicht. Aber es bringt die Sache irgendwie auf den Punkt. Mag sein, dass die Moral von der Geschichte, die uns Dürrenmatts Welthit anno 1956 erzählt, heute mindestens ebenso wichtig wäre, aber die Weise, wie er das erzählt, hat inzwischen doch einen ziemlichen Bart. "Der Besuch der Alten Dame" ist eine große Metapher, die sich einen Abend lang anspielungsreich selbst erklärt. Dankbar für Deutschlehrer, keine Frage, aber nicht fürs Grazer Schauspielhaus. Und richtig: Wer sich heute auf dieses Drama einlässt, muss das natürlich ganz anders machen. So auch der Berliner Ausnahmeregisseur Tom Kühnel. Dürrenmatts bitterer Sarkasmus wird weitgehend durch Farce und Antiwitz ersetzt, Claire Zachanassian, die reiche, körperlich ramponierte Alte, tritt in Form einer unförmigen Horror-Puppe


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