Selbstmord im Wald

Kultur | Andreas Dallinger | aus FALTER 08/07 vom 21.02.2007

OPER Webers "Freischütz" an der Volksoper und Vincis "L'Artaserse" im Semperdepot.

Unter Regisseuren hat "Der Freischütz" den Ruf eines "Selbstmords im Wald". Vielleicht deshalb hat Marco Arturo Marelli, der Carl Maria von Webers romantische Oper an der Volksoper in Szene setzte, den Wald vorsichtshalber weit in den Hintergrund verbannt. Ins Bühnenzentrum zimmerte er der deutschen Jägergesellschaft eine Pressspanplattenidylle, in der sie sich ihr beschauliches Leben mit Traditionen, Erfolgsdruck und Glückserwartung gründlich versaut. Die Verlierer dieses Wertesystems sind allgegenwärtig und schleichen sich in allerlei Verkleidungen bis in die gute Stube. Wenn sich am Ende die Braven und Guten um die Symbole ihrer heilen Welt scharen, übernehmen die gewaltbereiten Loser entschlossen die Macht. Dass sie mit ihren Kostümen Assoziationen an den Faschismus zulassen, ist einer der vielen Interpretationsfäden, die Marelli auslegt und in denen er sich verheddert. Aus dem Orchestergraben


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