Kunst kurz

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 08/07 vom 21.02.2007

Man nehme ein bekanntes, möglichst komplexes und weitschweifiges Buch und behaupte zu der selbst favorisierten Kunst, sie würde ähnlich operieren oder verwandte Fragen aufwerfen: So sieht eine heute gängige kuratorische Strategie aus, die vorzüglich gegen Kritik immunisiert. Denn wer hat sie schon alle parat, die wichtigen Schmöker, und könnte sofort Einspruch erheben: Nein, jene (literarischen, poetischen, theoretischen) Gedanken und diese Kunstwerke haben nichts Grundlegendes gemeinsam. Der Titel der Ausstellung "Exil des Imaginären. Politik, Ästhetik, Liebe" (bis 29.4.), die die Gastkuratorin Juli Carson für die Generali Foundation besorgt hat, stammt aus Roland Barthes' Buch "Fragmente einer Sprache der Liebe", das hier als Vorbild für eine Verknüpfung von politischen Fragen mit solchen der Liebe dienen soll. Die Behandlung von Beziehungen oder Liebesgefühlen wird man in dieser Schau aber vergeblich suchen. Die Installation von Ken Gonzales-Day zeigt historische Fotos von Lynchjustiz in den amerikanischen Südstaaten, aus denen die Gehängten entfernt wurden. Sharon Hayes interviewt New Yorker Passanten zu ihrem Wahlverhalten. Bruce Yonemoto antwortet auf das Kitschmusical "Sound of Music" mit einer in Peru gedrehten Gesangsszene. Die meisten Arbeiten der Schau sind konzis und beziehen klar Stellung. Umso unerträglicher der Rahmen, in den sie gepresst werden, und ihr Nachteil, wenn der durch das Möchtegernkonzept verwirrte Besucher kopfschüttelnd heimgeht.

Der Künstler Martin Guttmann und Fiona Liewehr von der Galerie Kargl zeigen unter dem Titel "This is happening" (bis 24.3.) eine Auswahl sehr profilierter junger Künstler. "Gegen Spektakelkunst" würde der Nachwuchs opponieren, heißt es dort. Formales Understatement und konzeptueller Habitus ziehen sich in der Tat durch die sehenswerte, wenngleich männerlastige Schau, die etliche Überraschungen bereit hält und auf anregende Weise rätselhaft bleibt.


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