Kunst Kurz

Kultur | Ulrich Tragatschnig | aus FALTER 09/07 vom 28.02.2007

Das Kulturzentrum bei den Minoriten widmet sein Fastenzeit-Programm dem Thema "Schatten". Das macht im Rahmen künstlerisch unterfütterter Einkehr doppelt Sinn. Im Hades, dem Jenseits der griechischen Mythologie, leben die Toten als körperlose Schatten weiter. "Pulvis et umbra sumus", meinte Horaz, Asche und Schatten sind wir unterm Strich. Und Schatten sind, gepaart mit Sehnsucht, auch der Anfang aller bildlichen Kunst. Plinius der Ältere überliefert die Legende, wonach das erste gezeichnete Bild eines Menschen der von der Töpferstochter Debutades an der Wand nachgezogene Schatten ihres Geliebten war.

Eigens für die Ausstellung bei den Minoriten (bis 5.4.) hat der französische Fotograf Eric Aupol Menschen aus Graz, die nicht im Rampenlicht stehen, porträtiert, hat ihre Züge in Gegenlichtaufnahmen einprägsam verunklärt und somit zur distanziert dokumentierenden Kunst erhoben, was dem fotografischen Laien gerne, aber ungewollt passiert. Womit ja auch der Blick der Debutades beim Zeichnen ihres Schattenrisses eingefangen wäre. Im Innern leere Schattenwesen sind die Abdrücke, die in Kurt Straznickys Kunstharzskulpturen hinterlassen wurden. Den pointiertesten Beitrag liefern aber die Bilder des britischen Künstlers Adam Fuss, die gleichzeitig zu den Ursprüngen der Fotografie als Lichtabdruck zurückführen: zum Fotogramm, in welchem er die Welt als geisterhaft zu schildern weiß, oder zur Daguerreotypie, in der ein Memento mori vorgetragen wird, das den Betrachter wörtlich widerspiegelt. Hoffnung auf ein Danach weckt Christian Eisenbergers inzwischen aufgebrochener Kokon aus Klebeband im Stiegenaufgang. Zusätzliche Gelegenheit, den Reflexionen namhafter Philosophen zum Thema Tod zu folgen, bieten die Lesungen des Schauspielers Alexander Tschernek ab 7.3. jeden Mittwoch um 19 Uhr. Und Kinder können jeden zweiten Samstag ab 3.3. in einem Workshop nachvollziehen, wie Fotogramm und Lochkamera tatsächlich funktionieren.


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