Spielplan

Kultur | Wolfgang Kralicek, Christopher Wurmdobler | aus FALTER 09/07 vom 28.02.2007

Vor 13 Jahren starb der Grazer Dramatiker Werner Schwab. Er wurde nur knapp 36 Jahre alt, hinterließ aber ein beeindruckendes Ruvre von 15 Stücken. Gespielt werden sie allerdings nur noch selten. Ist Schwab passé? Das Ensemble Theater will das nicht glauben und setzt alle paar Jahre ein Schwab-Drama auf den Spielplan. Mit der 1992 uraufgeführten Komödie "Mesalliance - aber wir ficken uns prächtig" (bis 17.3.) ist jetzt ein Stück zu entdecken, das in Wien noch nie zu sehen war. Es handelt sich um eine Art philosophischen Schwank: Die kleinbürgerliche Gesellschaft um das Lehrerehepaar Pestalozzi wird von den nihilistischen Zwillingen der Pestalozzis unterminiert. Die Ereignisse eskalieren während eines Grillfests, wobei in dieser "Variationskomödie" drei verschiedene Schlüsse angeboten werden. In der soliden Inszenierung von Routinier Peter Gruber wird einerseits deutlich, dass Schwabs Texte ihren Witz und ihre Kraft nicht verloren haben. Dass "Mesalliance" nicht zu seinen stärksten Stücken gehört, ist aber auch nicht zu übersehen.

Zurück fliegen sie alle: In der Reihe Spieltriebe im Kasino tobt sich der Nachwuchs des Burgtheaters aus. Regieassistentin Cornelia Rainer präsentiert dort "Heimfindevermögen", einen "Monolog mit Musik" (nächste Termine: 17. und 24.3.). Der Text wurde inspiriert von Interviews mit Brieftaubenzüchtern, und tatsächlich geht es um dieses verschrobene Hobby, um Schnurren aus dem Taubenschlag. Das klingt jetzt zwar wahnsinnig langweilig, aber der Schauspieler Cornelius Obonya liefert einen recht spannenden Themenabend ab. Gut, wenn man das deutsche Dokutheaterkollektiv Rimini Protokoll kennt, kann man sich vorstellen, dass da brieftaubenzüchtermäßig womöglich mehr drin gewesen wäre als nur ein poetischer Monolog übers Weggeschicktwerden, um zurückzukommen. Wir wollen nicht zu viel verraten, aber am Schluss rückt Frau Rainer doch noch mit einer fast Rimini-artigen Überraschung heraus. Gutes Ende. Tauben sind vielleicht gar nicht so blöd.


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