hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 10/07 vom 07.03.2007

Frei und selbstständig

Ein Gewerbeschein hebt erstens das Selbstvertrauen, schaut andererseits beim Vorzeigen vor Eltern, Tanten und Onkeln nach solider Berufsausübung aus und ermöglicht außerdem das Einkaufen beim Metro, wo es 5 Kilo-Chipssackerl gibt, die im Hinblick auf die Euro 2008 wichtig werden könnten. Ein Blick auf die Informationsseiten der Wirtschaftskammer legt die Anmeldung eines freien Gewerbes nahe (Sie müssen es nur regelmäßig, in Ertragsabsicht und selbstständig ausüben). Mögliche freie Gewerbe sind: Zukunftsdeuterei, Zusammenbau von vorgefertigten Teilen für Kugelschreiber, Versteigerung beweglicher Sachen, Tiermassage, Streichkäseerzeugung, Sockenhaltererzeugung, Rasenmähen, Persönlichkeitsanalyse im Wege von astronomischen Computerberechnungen, manuelles Abfüllen von esoterischen Essenzen, Auflegen der Hände an bestimmten Körperstellen, Gabelbissenerzeugung, Besenerzeugung, Beförderung von Personen auf Rodeln, Personenbeförderung auf Fahrrädern, Kopieren mittels Bürokopierern und viele andere mehr. Abfassen von Kolumnen ist nicht darunter, weil das ein freier Beruf ist. Im Unterschied zum Gewerbe ist der Beruf eine institutionalisierte Tätigkeit und kann oft sehr gefährlich sein. Laut Statistik der Churchhill Insurance von 2004 ist der gefährlichste Beruf der des Fensterputzers, noch vor dem des Soldaten. Deshalb ist das Fensterputzen nur dann ein wirklich freies Gewerbe, wenn es vom Fußboden aus bewerkstelligt werden kann.


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