90 Jahre AIDA

La Traviata war die Alternative

Stadtleben | aus FALTER 10/07 vom 07.03.2007

Michael Prousek führt den Familienbetrieb Aida bereits in der dritten Generation. Die Familie stammt aus Nordböhmen. 1883 wird Josef Prousek geboren. Er kommt über Prag und Brünn nach Wien. Bei einem Zuckerbäcker arbeitet er als Geselle. 1917 kaufen seine Ehefrau Rosa und er die Konditorei Bonsaing in der Porzellangasse 47. Bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges haben die Prouseks, echte Opernliebhaber und Verdi-Fans (La Traviata wäre der Alternativname gewesen), elf Aida-Geschäfte. Nur die Wollzeile 28 wird als Kaffeekonditorei betrieben. Nach Kriegsende bäckt man Schnitten fürs AKH, Torten für "die Sieger von Budapest" und Donuts für die Amerikaner. 1948 sperren die Prouseks die während des Zweiten Weltkriegs geschlossene Filiale in der Wollzeile wieder auf, die erste Kaffeekonditorei Österreichs mit Espressomaschine. Der kleine Espresso kostet 1,50 Schilling, der doppelte Espresso 2,50 Schilling - ohne Bedienungszuschlag. Aida verwendet bis heute nur die hochwertigen Arabica-Bohnen; sie sind milder als die billigeren Robusta-Kaffeebohnen. 1956 designt Rudolf Vorderegger die erste Filiale am Opernring. Produktion und Verkauf der Konditoreikette werden 1973 in zwei Unternehmen aufgespalten. 1995 geben Clarissa Stadler und Wolfgang Thaler das Aida-Buch "Mit reiner Butter" heraus. Sie sind von der "punschkrapfenrosa und schokoladebraunen Ästhetik" angetan. 2001 führen der Sohn und der Enkelsohn des Aida-Gründers, Felix und Michael, die Geschäfte. 2003 übernimmt Michael die alleinige Unternehmensleitung. 2004 eröffnet vor den Toren Wiens, in Großenzersdorf, die 27. Aida. In der SCS in Vösendorf existiert ebenfalls eine Filiale. Man sucht weitere Filialplätze, beispielsweise im noblen Hietzing. Den Expansionsplänen und sanften Modernisierungsversuchen stehen Einsparungsmaßnahmen beim Personal gegenüber.

H. H.

Info: www.aida.at


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