Spielplan

Kultur | Hermann Götz | aus FALTER 11/07 vom 14.03.2007

Kaum zu glauben! Martin G. Wanko, ja der Martin G. Wanko, der sich gerne als "Brachialdramatiker" bezeichnen und dazu mit Baseballschläger abbilden lässt, hat mit "Hormonie" ein Stück geschrieben, das glatt gestrickt ist wie ein Benetton-Pullover. Mit funktionierenden Dialogen und einem ganz konventionellen Spannungsbogen. In der Regie von Alfred Haidacher macht das Theater im Keller (TiK, bis 31.3.) aus dem bislang nur als Hörspiel verwirklichten Text eine flotte Sitcom mit Suspense-Momenten. An den wilden Wanko erinnert nur mehr ein Plot, der wieder - sagen wir: eher unmotiviert - daherkommt: Otto (Bernd Sracnik) hat seine Hormone nicht im Griff. Für sein außereheliches Lover-Leben mit Gespielin (Michaela Klamminger) muss wie in Oscar Wildes "Bunbury" eine zweite Identität herhalten. Dass Otto tatsächlich an Schizophrenie leidet und seine Ausbrüche aus dem Ehealltag mit Elfi (Eva Weutz) manische Schübe eines Traumatisierten sind, ist sozusagen die Pointe des Stücks. Ein plötzlich in der ehelichen Eigentumswohnung sitzender Raubvogel markiert den dramaturgischen Wendepunkt - und er schafft, was den TiK-Darstellern leider nicht ganz gelingt: Wankos Werk vor dem Verschwinden hinter Klischees zu bewahren.


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