hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 11/07 vom 14.03.2007

Rettet die Kröten!

Realistischerweise muss man sagen, dass der Anteil von frustrierten Zynikerinnen, die viel saufen, im Kulturbereich sehr hoch ist (der Graz-Bezug stellt sich da ganz von selbst her, lieber Chefredakteur! Beleg: Frust + Graz: 76.500 Treffer, Frust + Linz: 55.300). So ein Frust speist sich aus verschiedensten Quellen. Zum Beispiel der Tatsache, dass jemand, der schon am Vormittag seine ersten Krügerl schluckt und dabei marxistische Phrasen vor sich hermurmelt, als antibürgerlich gilt. Oder auch der fixen Überzeugung, dass früher alles besser war und die anderen alle Idioten sind. Zweiteres stimmt wahrscheinlich, ersteres nur vielleicht. Wenn man so eine Wahrheit erst mal gefressen hat, geht der Blick nicht mehr sehr weit, und man wird zum Selbst-Googler. Dann wundert man sich, dass die eigenen Suren immer weniger werden, und wird noch frustrierter. Außer man ist Andreas Khol, ein Selbst-Googler, der den Optimismus des guten Willens vor sich herträgt und so gefeit ist gegen jeglichen Weltfrust. Bei allem Pessimismus des Verstandes sollten sich aber die Alkoholiker aufmachen und retten, was noch zu retten ist: die steirischen Frösche zum Beispiel, die auch sehr früh blau sind in diesem Jahr, was mit einer wetterbedingt früheren Paarungsbereitschaft zu tun hat, und es gilt, Kübel aufzustellen, um tödliche Unfälle zu vermeiden. Sonst kann so ein Frust schnell zum Selbstläufer werden.


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