Welt im Zitat

Kultur | aus FALTER 11/07 vom 14.03.2007

Erst hüpfte sie …

Erst hüpfte sie barfüßig quer über die Bühne, wie ein befreiender karibischer Sturm, lockte lasziv mit "Whenever, Wherever", dann tanzte sie grazil durch die Menschenmauer, die sich mirakulös und mit Hilfe zweier Seile wie das Rote Meer vor Moses teilte. (…) Sie bewegte ihre runden Hüften, ihr keckes Bäuchlein wie die begehrenswerteste orientalische Tänzerin, ihre musikalischen Begleiter spielten Latino-Nummern, was das Zeug hielt, und doch spürte man ein wenig Verhaltenheit und fast zu viel Professionalität bei dieser zierlichen Powerfrau.

… dann heulte sie

Sogar das Leid von "Don't Bother", einer Abrechnung mit dem untreuen Lover, wird bei diesem herausfordernden und zugleich schüchternen Wesen zum exzessiven Fest. Shakira schnallt sich die Glitzergitarre um, schmollt, heult, ihre Stimme überschlägt sich, doch sie hat alles im Griff, wenn sie enthemmt "Te Dejo Madrid" verkündet, wenn sie bei "Inevitable" eindeutige Beckenbewegungen, Kindchenschema-Schmollen und heftiges Lockenwerfen zu einem Gesamtkunstwerk vereint.

Ganz nah …

Shakira erscheint mit einem rot-rot-roten, bodenlangen Kleid, wirft die mit Stäben verstärkten Ärmel hoch über sich und ist wie eine Blume, ist eine Blume, die sich entblättert, sie singt den Superhit "Underneath Your Clothes", und der hinterste Sitzplatzbesucher fühlt sich ihr jetzt ganz nah.

… und selbstvergessen

Authentisch wirkt die Sängerin, wenn sie ihre Botschaft auf Spanisch vorträgt, in bauchfreiem Top und schwarzer Hose knapp an der Schamgrenze. "Si Te Vas" singt Shakira oder "Ojos Asi", und man ist hingerissen vom Tanz, tanzt selbst schon mit, "Pies Descalzos" trägt sie vor und wirkt ganz selbstvergessen. Nein, ihre Hüften lügen nicht, und am Schluss, zum langen Abschied, gibt's Konfetti und ein kurzes Lächeln.

Presse-Kulturchef Norbert Mayer saß nicht ganz hinten - und war Shakira ganz besonders nah.


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