Posse mit Hakenkreuzen

Kultur | Wolfgang Kralicek | aus FALTER 11/07 vom 14.03.2007

THEATER Um einen alten Theatersaal am Nestroyplatz tobt seit Jahren ein erbitterter und zum Teil grotesker Streit. Ein amerikanischer Regisseur möchte hier ein jüdisches Theater etablieren. Die Besitzer des "arisierten" Hauses sind dagegen. Alles klar? Eben nicht.

Es war einmal ein junger New Yorker Jude, der machte Urlaub bei einem alten Nazi. Vor 25 Jahren war Warren Rosenzweig von Freunden eingeladen worden, einen Monat lang auf einem Bauernhof in Völkermarkt mitzuarbeiten. Zunächst lief alles bestens. Der Großstädter war von der Landarbeit begeistert, die Kärntner Familie hatte den Fremden ins Herz geschlossen. Aber dann bekam der Gast einen Brief, und jetzt erst wusste der Familienpatron, wie der junge Mann mit Nachnamen heißt. Der Alte stürmte in die Stube, wo Rosenzweig gerade beim Frühstück saß, richtete ein Brotmesser gegen ihn und brüllte: "Jüdisches amerikanisches Schwein, raus aus meinem Haus!" Der ließ sich das nicht zweimal sagen und ergriff barfuß die Flucht.


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