Spielplan

Kultur | Christopher Wurmdobler, Wolfgang Kralicek | aus FALTER 11/07 vom 14.03.2007

Dem flämischen Choreografen Ben van Cauwenbergh, 49, ist es ein Anliegen, "viel junges Publikum ins Theater zu bringen". Zumindest steht das so im Programmheft der Volksoper, wo er eine "Tanzhommage an Queen" einstudiert hat. Freddie, schau oba: Nach zwei Stunden Queen in Höllenlautstärke weiß man, dass Herr Mercury und die Seinen wahnsinnig nervige Musik gemacht haben, dass sich die Tänzer von Staats-und Volksoper zu "We Will Rock You" ähnlich bewegen wie zu "Schwanensee", dass kleine Ballettratten mit Schnauzbart niedlich aussehen (okay, das finden vor allem die Angehörigen) und dass Artistik mit Extraapplaus belohnt wird. Camp und queer ist hier aber gar nix. Dafür serviert man uns einen Ballettabend, an dem Dolezal und Rossacher sicher ihre Freude haben werden und den auch Alfons Haider mit seiner Mama sorglos genießen dürfte. Und, nein, es liegt nicht nur an Queen. Auch mit Musik von sagenwirmal Tokio Hotel wird klassisches Ballett nicht spannender. Vielleicht sollte man einfach anders tanzen?

"Scherz, weiter nichts!" titelte die Kronen Zeitung vorwurfsvoll. Dem muss ein herzhaftes "So what?" entgegengehalten werden. In den Kammerspielen, der Komödien-Dependance der Josefstadt, darf's ruhig "nur" Unterhaltung sein - solange sie so witzig ist wie hier. "Schöne Bescherung" von Anthony Neilson - einem Autor aus der Generation Kane & Ravenhill - ist ein Musterbeispiel für englisches Komödienhandwerk: ein in seinem ganzen Schwachsinn perfekt gebauter Plot, gute und gerne auch geschmacklose Witze, Boulevard as Boulevard can. Im Stil von Laurel & Hardy spielen die Kabarettstars Michael Niavarani (nicht dick, aber doof) und Andreas Vitásek (noch doofer) zwei patscherte Polizisten, die einem betagten Ehepaar (Dolores Schmidinger und Kurt Sobotka) am Heiligen Abend die Nachricht vom Unfalltod der Tochter überbringen sollen - wobei der makabre Witz darin besteht, dass die Alten glauben, es sei von ihrem Hund die Rede. Der bisherige Höhepunkt der Direktion Föttinger.


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