Verloren im Labyrinth

Carsten Fastner | Kultur | aus FALTER 11/07 vom 14.03.2007

MUSIKTHEATER "La Philosophie dans le Labyrinthe" erzählt den Mythos vom Minotaurus multimedial und auf mehreren Ebenen.

Der Reiz eines Labyrinths besteht darin, dass man sich darin verlieren kann. Wird von einem Labyrinth erzählt, sieht die Sache schon anders aus. Der Dichter Edoardo Sanguineti (geb. 1930) verfasste nun für den Komponisten Aureliano Cattaneo (geb. 1974) gar ein Libretto, das nicht nur in einem Labyrinth spielt, sondern auch als ein "Labyrinth von Texten" verstanden werden will. "La Philosophie dans le Labyrinthe" - 2006 bei der Münchner Biennale in Co-Produktion mit der Wiener Operngruppe Netzzeit uraufgeführt und nun auch in Wien zu sehen - reflektiert den antiken Mythos des stierköpfigen, in verspiegelten Irrgängen gefangengehaltenen Minotaurus nicht allein aus der gängigen Perspektive, die ihn als menschenfressendes Ungeheuer zeigt, sondern, mehrfach gebrochen, auch als einsames Wesen, als Opfer, als ein Sinnbild der dunklen, abgründigen Seite des Menschen.

Regisseur

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