Das Ich und die anderen

Kultur | Stephan Steiner | aus FALTER 11/07 vom 14.03.2007

LITERATUR Karl-Markus Gauß legt mit "Zu früh, zu spät" sein drittes Journal vor und überzeugt dort, wo der eigene Narzissmus keine Rolle mehr spielt.

Vor drei Jahren hat Karl-Markus Gauß mit seiner Reportage aus den Roma-Ghettos in der Slowakei ein rundum perfektes Buch vorgelegt: Er hat sich auf eine Entdeckungsreise begeben, seine durchwegs lesenswerten Erfahrungen gemacht und dafür eine knappe, präzise Form gefunden. In seinem (nunmehr dritten) Journal sind diese Qualitäten zwar nicht verschwunden, aber nur noch stellenweise aufzufinden: Zu viel eitle Selbstbespiegelung durchzieht ein Buch, das viel mehr zustande brächte, wenn es weniger wollte.

Wie eindringlich kann Gauß vom Sterben erzählen, sei es vom Weggehen geliebter Menschen, sei es von der Todesangst, die den Schlaflosen manchmal befällt! Mit welch genauer Beobachtungsgabe nähert er sich den Menschen seiner unmittelbaren Umgebung und entlockt dem Auf und Ab der Tage existenzielle Abgründe! Welch geheime Verbindungslinien


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige