Friedrich Zawrel

"Wie frei war ich denn?"

Kultur | Thomas Wolkinger | aus FALTER 12/07 vom 21.03.2007

Friedrich Zawrels Bilanz ist bitter: "Die liebe Republik Österreich kann mich gern haben", sagt der Mann, der als Kind in der "Kinderfachabteilung" "Am Spiegelgrund" die Tötungsmedizin der Nazis überlebte. Dort, am Gelände des heutigen Otto-Wagner-Spitals in Wien, wurden zwischen 1940 und 1945 zumindest 789 kranke, behinderte oder bloß unbequeme Kinder ermordet. Zawrel überlebte die Internierung, die tägliche Folter, erlebte das Ende des Krieges, die Befreiung Österreichs. Glück war ihm dennoch keines beschieden. "Wie frei war ich denn?", fragt Zawrel in Elisabeth Scharangs Dokumentarfilm "Meine liebe Republik", und es ist einer der wenigen Momente, in denen er die Rolle des peniblen Erzählers und Archivars seiner eigenen Geschichte kurz aufgibt und sich diese Bitterkeit leistet. Denn mit Kriegsende begann für Zawrel eine andere Leidensgeschichte, eng verbunden mit der Unfähigkeit der Zweiten Republik, sich ihrer Nazi-Vergangenheit zu stellen.

Job war für Zawrel nach dem Krieg


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