Banville heisst auch Black

Riesenhaft und griesgrämig

Extra | Oliver Hochadel | aus FALTER 12/07 vom 21.03.2007

Nicht frei von Sünde" ist kein herkömmlicher Kriminalroman - falls es so was überhaupt noch gibt. Im Zentrum steht kein Mord, "Christine Falls" (so der englische Titel) stirbt im Kindbett und landet auf dem Seziertisch des Pathologen Quirke. Mit diesem riesenhaften Griesgram gelingt Banville eine interessante Figur: innerlich zerrissen, stur, meist mehr oder minder alkoholisiert, einigermaßen beziehungsunfähig und doch irgendwie ein Frauentyp. Die halb widerwillig betriebene Aufdeckung des Falles im grauen Dublin der Fünfzigerjahre wird für Quirke zu einer Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit.

Die Geschichte - eine üble katholische Verbindung organisiert die Verschickung von Waisen und weggegebenen Kindern aus Irland in die USA, um dort den Nachwuchs für die Klöster zu sichern - ist temporeich erzählt, aber die Atmosphäre ist zwingender als der Plot. Hier wird Banville seinem Ruf als großer wordsmith gerecht. Ein zweiter Benjamin-Black-Krimi ist so gut wie fertig. Darin gibt Quirke das Trinken auf, was ihn aber noch unfähiger zur Detektivarbeit macht, wie John Banville verrät.

Benjamin Black: Nicht frei von Sünde. Roman. Aus dem Englischen von Christa Schuenke. Köln 2007 (Kiepenheuer & Witsch). 431 S., Euro 20,50


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