Bestialische Idylle

Extra | Armin Thurnher | aus FALTER 12/07 vom 21.03.2007

UPPER CLASS Der Roman "Schöne Verhältnisse" des Engländers Edward St. Aubyn trägt deutlich autobiografische Züge.

Edward St. Aubyns Roman "Schöne Verhältnisse", soeben auf Deutsch erschienen, bildete 1992 unter dem englischen Originaltitel "Never mind" den ersten Teil einer Trilogie, die den Autor bekannt machte. Seit damals weiß das Publikum, dass der Autor hier seine Biografie aufarbeitet. Das wäre amüsant, würde es sich nur um eine boshafte Abrechnung mit der englischen Oberklasse handeln. St. Aubyn aber rechnet mit seinem Vater ab und gibt privateste, schreckliche Details preis. Gefragt, ob es nicht schlimmer sei, nun öffentlich als jemand dazustehen, der als Knabe von seinem Vater vergewaltigt wurde, antwortet der Autor, die Vergewaltigung sei schlimmer gewesen.

Selbst wenn wir dem Autor einen kathartischen Effekt zubilligen, ja gönnen, geraten wir als Leser dadurch in einen ordentlichen Doublebind. Die angestrebte elegante Distanzierung von den vorgeführten Monstren macht


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