Hoch die Schädeldecke!

Extra | Erich Klein | aus FALTER 12/07 vom 21.03.2007

LYRIK Zu Lebzeiten veröffentlichte Emily Dickinson (1830-1886) ganze zehn Gedichte. Dennoch hat die Dichterin und passionierte Briefschreiberin die moderne Literatur mitbestimmt.

Ganz in Weiß, in der Hand Rosmarinseidelbast, glitt sie herein und fragte: "Wie lange bleiben Sie?" Die Begegnung des Predigers Thomas Higginson mit Emily Dickinson im August 1873 gehört zu den Gipfeltreffen der Weltliteratur: Die 43-jährige Dichterin erscheint dabei als kindlich und maniriert - ihre Naivität verschwindet, sobald es um Literatur geht: "Wenn ich ein Buch lese und mir wird davon am ganzen Körper so kalt, dass kein Feuer mich mehr wärmen kann, weiß ich: Das ist Poesie. Wenn mir buchstäblich ist, als würde mir die Schädeldecke entfernt, weiß ich: Das ist Poesie." Weibliche Poetik gut fünfzig Jahre vor Expressionismus, Dada und Surrealismus!

Der Weg der 1830 in einer angesehenen Familie aus Amherst, Massachusetts geborenen Emily Dickinson schien vorgezeichnet: Auf den Besuch des "Femal Seminary"


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