"Zufällig ist der andere tot"

Extra | Jörg Magenau | aus FALTER 12/07 vom 21.03.2007

ZEITGESCHICHTE In seinem ersten Roman nimmt sich der Kolumnist Harald Martenstein der Zeit zwischen Krieg und Wirtschaftswunder an. Die Enkelgeneration darf sich offenbar mehr Verständnis leisten als Walser & Co meist zugebilligt wird.

Der Titel signalisiert eine Differenz. Der "Heimweg" ersetzt die "Heimkehr" und damit den Begriff, der dem Genre der Heimkehrerromane der Nachkriegszeit einst die Bezeichnung gab. "Heimweg" klingt gleich viel friedlicher, nach Feierabend oder Sommerspaziergang, und blendet genau das aus, worum es eigentlich geht: den Krieg und seine Folgen. Dabei beginnt der Roman nahezu klassisch. "Die Heimkehr meines Großvaters aus dem Krieg stand unter keinem guten Stern", lautet der erste Satz. Die folgende Szene ist an Drastik kaum zu überbieten. Zu Hause öffnet ein schnurrbärtiger Franzose dem Heimkehrer die Tür und fuchtelt mit einer Pistole herum. Die Frau, anstatt den Heimkehrer sehnsuchtsvoll zu erwarten, liegt nackt auf dem Boden und stößt gurgelnde Geräusche


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