Alexander Kluge

Welterleben als Kino

Extra | aus FALTER 12/07 vom 21.03.2007

Ich möchte gleich klarstellen, dass es mir in diesen 120 Geschichten um das ,Prinzip Kino' geht. (...) Auch wenn die Kinoprojektoren einmal nicht mehr rattern, wird es, das glaube ich fest, etwas geben, ,das wie Kino funktioniert'."

Im programmatischen Vorwort zu "Geschichten vom Kino" macht Alexander Kluge klar, worum es ihm geht: Kino als Welt und Welterleben als Kino, Gedanken zur Idee des Kinos, aus denen immer wieder konkret leinwandbezogene Anekdoten um große Namen wie Fritz Lang (in dessen Umfeld Kluge 1958 seine filmische Karriere startete), Erich von Stroheim (vor dessen Mut zur "verrückten Investition" Kluge den Hut zieht) oder Jean-Luc Godard (Kluges "filmisches Leitbild") hervorglitzern. Der studierte Jurist, Autorenfilmer ("Abschied von gestern") und Fernsehproduzent Kluge, der im Februar 75 Jahre alt wurde, arbeitet parallel stets auch als Schriftsteller, dessen Stil theoretische Argumentation und Erzählfluss verbindet.

Um die Prosa im vorderen Teil zu entlasten, verbannt Kluge die hard facts in den Anhang. Hier werden konkrete Namen, Ortsangaben und Daten geliefert, die man der Vollständigkeit halber nachträglich oder wie einen Fußnotenapparat parallel lesen kann. Nicht selten erinnert Kluges System der lockeren Assoziationsmontage, das ständig Querverbindungen zu früheren filmischen und schriftstellerischen Arbeiten schlägt, an Veröffentlichungsformen im Netz - an Weblogs oder Wikis. Ein Eindruck, der die Eingangsthese des Autors stützt: Der Bestand eines Mediums als Prinzip, auch abseits seiner spezifischen Form. M. M.

Alexander Kluge: Geschichten vom Kino. Frankfurt a.M. 2007 (Suhrkamp). 351 S., Euro 23,50


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