Vor 20 Jahren im Falter

Vorwort | aus FALTER 12/07 vom 21.03.2007

Immer wieder einen Rückblick wert: die Gastronomiekritik des Falter. 1987 befand sie sich wieder einmal in der topseriösen Phase. Am Wort war Andreas Oberndorfer, er testete zwei Steakhäuser (!) und leitete seinen Befund mit einer gewissen, aber damals wohl nicht unberechtigten germanophoben Note ein.

"Über die deutsche Gastronomie kann eigentlich nicht genug gelästert werden. Mit Ausnahme der Hervorbringungen von Spitzenköchen wie Eckart Witzigmann (notabene ein Österreicher), die in ihren sündteuren Etablissements Gerichte kreieren, die dann überall nachgekocht werden, hat sie praktisch nichts zur Bereicherung der europäischen Küche beigetragen. Wer einmal gezwungen war, längere Zeit mit bescheidenen finanziellen Mitteln in der BRD auszuharren, erinnert sich noch an das Glücksgefühl, das die Erinnerung an ein Beisl auszulösen vermag.

In einer solchen Situation lernt man eine Einrichtung zu schätzen, die in unseren Breiten unbekannt ist und für die anscheinend hier kein Markt existiert: Fantasielose, uniforme, solide Steakhouse-Ketten. Man kriegt dort garantiert keinen Kasseler Rippenspeer, kein Labskaus und keinen Rindersaftbraten mit Dörrpflaumen, sondern erstklassiges, nach Wunsch gebratenes Rindfleisch ohne Schnokes, dafür aber mit Folienkartoffel und einer Salatschüssel um - für bundesdeutsche Verhältnisse - Billigpreise zwischen 16 und 25 DM. Man lernt das wirklich schätzen." In Wien, man kann sich's denken, blieben die getesteten Steakhäuser unter solchen Erwartungen. A.T.


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