Blinde Rache

Kultur | Joachim Schätz | aus FALTER 12/07 vom 21.03.2007

FILM Mit seinem hervorragenden Rachedrama "Daratt" empfiehlt sich Mahamat-Saleh Haroun als der große Unaufdringliche im aktuellen Autorenkino.

Die Mozartfete ist vorüber, Peter Sellars' einschlägiges New-Crowned-Hope-Festival auch schon ausführlich abgefrühstückt. Aber wer auf Celluloid baut, dem bleibt auch dann noch was, wenn das Konfetti weggekehrt und der Medienzirkus weitergezogen ist. Mit dem von New Crowned Hope koproduzierten Film "Daratt" lässt sich nun ein Höhepunkt des letztjährigen Festivals noch einmal in aller Ruhe bestaunen, ganz ohne "Clemenza di Tito"-Vergleiche und andere mozartistische Verrenkungen.

Und zu staunen gibt es allerhand: Mahamat-Saleh Harouns formal präziser, unaffektiert moderner Realismus fiel bereits in seinem Vorgängerfilm "Abouna" (2002) auf. Wie er nun mit "Daratt" eine straff kalkulierte, fast abstrakte Parabel über Schuld, Rache und Vergebung mitten in ein quasidokumentarisches Setting stellt, ohne sich je in formalen Widersprüchen zu verhaspeln:


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