Fragen Sie Frau Andrea

Tulpen des Herzens

Stadtleben | aus FALTER 12/07 vom 21.03.2007

Sehr geehrte Frau Andrea,

unlängst wurde ich von einer Thunfisch-Doku aufgerüttelt. Unglaublich, was die Industrie mit dem Schwein des Meeres anstellt! Ich esse wenig Thunfisch, bin allerdings ein großer Tulpenfreund - und die Tulpe ist ja wohl so etwas wie der Thunfisch des Gewächshauses. Gerne stelle ich des Frühlings Tulpen auf den Tisch und fürchte beständig, dass diese in südafrikanischen Tulpenfabriken von schlecht entlohnter Kinderhand zusammengeschraubt werden. Gibt es einen Ausweg? Wo kann der Global Citizen die Blume seines Begehrens ökologisch verantwortungsvoll erwerben?

Mit freundlichen Grüßen

Lukas Raimund, Leopoldstadt

Lieber Lukas,

Tulpenfreunde stellt die Industrie vor ein großes Dilemma. Bei der Erzeugung der Tulpe wird zwar nicht der Township-Kinderhand, sehr wohl aber Moeder natuur übel mitgespielt. Acht von zehn Tulpen kommen nämlich aus dem Land unter dem Meeresspiegel. Die Skrupel der holländischen Tulpenindustrie gelten allerdings nur den Gesetzen des Marktes. Es gibt mehrere Auswege aus unserem Dilemma. Lärm und CO2-Belastung durch Transport können wir minimieren, in dem wir direkt in Holland leben, am besten neben einem Tulpenfeld. Bliebe die Schädigung der Umwelt durch schadstoffintensive Monokultur. Dies vermeidend griffen wir zu Tulpen aus österreichischer Zwiebelproduktion. Reisten mit dem Fahrrad zum Biogärtner unseres Herzens und kontrollierten den Schnitt der botanischen Tulibane persönlich. Das geht. So mache ich das. Fast.


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