Gratisversicherung

"Frage nicht, was der Staat tun kann"

Politik | Ingrid Brodnig | aus FALTER 13/07 vom 28.03.2007

Zuerst ist ihm ein wichtiger Kunde abgesprungen, dann ist er plötzlich schwer erkrankt. Kurz vor der Pension ging der einst erfolgreiche Unternehmer schließlich in den Privatkonkurs - kein Einzelfall. Sozial Schiffbrüchigen, die keine herkömmliche Bank mehr will, bietet die Zweite Sparkasse seit vier Monaten ein Konto ohne Überziehungsrahmen an. Nun wird das Angebot ausgebaut. Den Kunden der Zweiten steuert die Wiener Städtische Versicherung ab sofort eine kostenlose Unfallversicherung inklusive Rechtsberatung bei. Für drei Euro im Monat können die Betroffenen überdies eine Haushalts-und Haftpflichtversicherung erwerben. "Es geht um den Schutz der Schwachen", erklärt Exbürgermeister Helmut Zilk, Aufsichtsratspräsident der Wiener Städtischen.

Die Zweite Sparkasse, ein Projekt der wohltätigen Stiftung der Ersten Bank, möchte ihren Klienten aus der Armutsfalle helfen. Die zurzeit einzige Filiale in der Glockengasse zählt bereits 430 Kunden, die Betreuung übernehmen 180 aktive und pensionierte Erste-Mitarbeiter ehrenamtlich. Ein Konto erhält, wer von der Schuldnerberatung oder der Caritas empfohlen wird. Die Zweite schätzt, dass 12.000 Menschen für das Service infrage kämen. An einer Expansion in die Bundesländer wird gearbeitet.

Die Mildtätigkeit der Banker wirft allerdings auch die Frage auf, ob der Staat vermehrt aus seiner Verantwortung entlassen wird. In Belgien wären Bedürftige etwa nicht auf private Hilfe angewiesen - jeder Belgier bekommt per Gesetz ein Konto. Davon hält Altbürgermeister Helmut Zilk aber wenig und lobt stattdessen das soziale Engagement seiner Versicherung: "Wie schon John F. Kennedy sagte: ,Frage nicht, was der Staat für dich tun kann. Frage, was du für den Staat tun kannst.' Man kann das nicht nur auf Institutionen verlagern, man muss auch selber was tun".


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