"Ich bin ein Balkaneser"

Kultur | Martin Krusche | aus FALTER 13/07 vom 28.03.2007

LITERATUR Dzevad Karahasan entführt mit seinem Buch wieder in die "dunkle Welt". Ein Gespräch mit dem bosnischen Autor und Philosophen über Deutungseliten, Vorurteile, die Bequemlichkeit der Hunde und die Voraussetzung der Freiheit.

Ein Mann, der sich beim Sprechen Zeit lässt. Beim Erzählen erst recht. So erlebt man Dzevad Karahasan in der direkten Begegnung, das prägt auch seine Texte. Wobei sich selbst Romane wie "Sara und Serafina" als komplex verwobene Kompositionen von Geschichten und Geschichte erweisen. Arabesken. Ornamente, die "aus einer riesengroßen Zahl von sich immer wiederholenden Figuren" bestehen, wie er sagt. So deutet er das Gesellschaftsmodell islamischer Kulturen, denen er sich zurechnet.

Der Bosnier, ein Moslem, mit Koran und Aristoteles gleichermaßen gut vertraut, sagt selbstironisch: "Ich bin ein Balkaneser." Das spielt auf Ressentiments an, mit denen er lebt. Das handelt aber auch von einem erheblichen Selbstbewusstsein als Europäer. Seine Kenntnisse, sein


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