Neues Buch

Aus der Zwischenwelt

Kultur | aus FALTER 13/07 vom 28.03.2007

Dzevad Karahasan meint, das "kurze 20. Jahrhundert" spanne sich zwischen zwei Morden, deren Tatorte in Sarajevo nur zwanzig Minuten Fußweg voneinander entfernt liegen. Einer 1914, als Auftakt des Ersten Weltkrieges, einer zum Beginn des Krieges in Bosnien (1992).

"Berichte aus der dunklen Welt", das aus vier Geschichten und einem Nachwort besteht, handelt von bedrückenden Ereignissen, man findet aber noch viel mehr an Zuversicht darin. Denn Karahasan ist ein leidenschaftlicher Erzähler, ein Aufklärer.

Sein Faible für die griechische Tragödie kann Karahasan auch in seinem neuen Buch kaum verbergen. "Aber ich mische mich selbst in mein eigenes Leben nur dann ein, wenn es gar nicht anders geht", heißt es in der Geschichte über Emiliano Montecchi. Die Figur des bosnischen Italieners und italienischen Bosniers, der in einem Café in Piacenza eine Art Lebensbeichte absolviert, lässt einen manches begreifen. Was zum Balkan gerne negativ konnotiert wird, ist demnach im Grunde ein Kräftespiel


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