hundert jahre zeitausgleich

Stadtleben | Johannes Schrettle | aus FALTER 13/07 vom 28.03.2007

Samstag: Flohmarkt am Lendplatz!

"Ich erwarte, dass wir es morgen mindestens dreimal miteinander treiben", schrieb der russische Zar Alexander II. um 1870 an seine heimliche Geliebte, die Prinzessin Jekatarina Dolgorukaja. Es gehört dies noch zu den harmloseren Aufforderungen eines regen Schriftverkehrs, der über Umwege in den Händen eines französischen Auktionärs landete und damit gut 15.000 Euro wert ist. Nur ein weiterer Beleg, wie gewinnbringend es sein kann, sich auf Flohmärkten herumzutreiben. Man findet dort vergilbte Postkarten, auf denen steht: "Lieber Schatz, ich denke hier im Feld oft an unsere Leberknödel, Dein treuer Erwin."

Was auch immer die Leberknödel sind, die 30 Cent dürften auf alle Fälle gut angelegt sein. Tom C. aus Ohio schaffte es immerhin im Jahre 2004, sich mittels Tauschgeschäften im Internet von einer gebrauchten Kaffeemaschine zu einem schmucken Einfamilienhaus hochzuarbeiten. Während seiner knapp anderthalbjährigen Tauschzeit fragte er sich manchmal, ob das Fahrrad, der Kamelhaarmantel, der Champagner und der Kleinwagen je real existiert hatten. Das Haus und die Kaffeemaschine waren jedenfalls echt gewesen, man muss den virtuellen Handel hin und wieder mit realen Objekten füttern, damit er sich nicht selbst verschluckt. Außerdem gibt es auf Flohmärkten oft Bratwurst, Bier und Musik.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige