Kinder an der Macht

Kultur | Gerhard Stöger | aus FALTER 14/07 vom 04.04.2007

MUSIK Kreischen, bis der Arzt kommt: Das deutsche Popwunder Tokio Hotel gastiert in der Wiener Stadthalle.

Die neue Tokio-Hotel-CD "Zimmer 483" beginnt verhalten, deutet den bevorstehenden Ausbruch aber vom ersten Ton weg an. Nach vierzig Sekunden setzen tatsächlich massive Rockgitarren ein, und Bill Kaulitz singt emotionsgebeutelt jenen Refrain, der momentan durch Hunderttausende Kinderzimmer schallt: "Achtung fertig los und lauf/vor uns bricht der Himmel auf/wir schaffen es zusammen/übers Ende dieser Welt/die hinter uns zerfällt." Die Musik dazu klingt weniger nach Kiddy Contest als vielmehr nach einer perfekt auf Massentauglichkeit getrimmten Version von Alternative Rock. Bereits im zweiten Song, "Totgeliebt", ziehen die für Tokio Hotel schon auf ihrem Debütalbum "Schrei" zur Trademark gewordenen düsteren Wolken auf. "Es bringt mich um/Wir ham uns totgeliebt", singt der wöchentlich im Teenie-Leitmedium Bravo präsente 17-jährige Mädchenliebling der Viererbande aus der deutschen

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