Fragen Sie Frau Andrea

Falter-Faltekunst

Stadtleben | aus FALTER 14/07 vom 04.04.2007

Liebe Frau Andrea,

warum schafft es der "Falter" als einzige mir bekannte Zeitung nicht, die einzelnen Druckbögen in der richtigen Reihenfolge zu ordnen? "Best of Böse" löste den Overkill aus. Drei Teile waren bunt zusammengewürfelt zwischen den Coverbogen gequetscht. Außerdem habe ich den Eindruck, dass die Druckerschwärze des "Falters" meine haltenden Finger besser färbt als die anderer Qualitätsmedien. In geneigter Hoffnung auf Aufklärung,

Andreas Brunner, Internet

Lieber Andreas,

es ist ein gutgehütetes Geheimnis der Zeitungserzeugekunst, dass der Falter als eine der letzten Publikationen weltweit in ausschließlicher Handarbeit hergestellt wird. Recherchen werden stadtweit in echten, verstaubten Archiven, in persönlichen Gesprächen und Korrespondenzen mit Betroffenen und Porträtierten betrieben. Orte werden besucht und nicht gegoogelt. Fotografen belichten ihre Bilder mit hochwertigen Plattenkameras, Texte werden mit gutgespitzten Bleistiften und auf Adler-Qualitätsschreibmaschinen verfasst und von scharfäugigen Redakteuren mit Rotstiften redigiert. Ein Heer von Kartoffelschnitzern schneidet Sätze und Bilder in rohe Erdäpfel und druckt den Falter in vielen langen und unfair getradeten Kaffeenächten mit verdünnter Schuhpasta auf handgeschöpftes Löschpapier. Langzeitstudenten, Drogentherapierte und Unterstandslose verdingen sich bei der manuellen Zusammenlegung der wertvollen Druckbögen. Dass es dabei zu Falter-Falte-Irrtümern und Reihenfolgeartefakten kommt, ist Absicht und Teil eines langjährigen Rätselwerks.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige