Phettbergs Predigtdienst

Ostern riechen

Stadtleben | aus FALTER 14/07 vom 04.04.2007

Natürlich, natürlich, liebste und süßeste Duhsubylebys, werden die Oberlehrys unter uns sofort einwenden, wenn du auferstehst, "natürlich" alles abwirfst, was du als ein Toty an dir trugst, und dich wie besessen putzt, sei es ja klar, dass du als Frischauferstandy prahlst und protzen willst. Schließlich ist so was schon beeindruckend für das Publikum. Aber wir Lebys und Kirchenlehrys können davon ausgehen, dass das Körpy Jesu Ostersonntag fäulte, also stank. Denken wir zum Beispiel an Jesu Eier allein schon.

Auf diese Idee kam ich durch meinen Lieblingssatz in der Theologie, weil die dort ausdrücklich darauf beharren, dass Jesus "voll Mensch und voll Gott - unvermischt und unverwandelt" sei. Also muss er bei seiner Auferstehung, bei der ihm also laut dieser Spielregel keine Gottheit helfen durfte, allein aus dem Grab herausgekraxelt sein. Jesus war also bei der Auferstehung in dem Zustand, denke ich, wie ich ihn am liebsten röche. Dieser mein Wahn ist ja schon seit vielen Jahren fixiert. Jetzt bin ich natürlich vollkommen verarmt, aber als ich bei der Regenbogenparade 2000 meine öffentliche Auspeitschung auf einem Wagen um die Ringstraße hatte, war ich fest entschlossen, im folgenden Jahr dann folgendes Leid mir anzutun: Ein sehr attraktiver Kerl sollte gegen Geld, das ich natürlich inzwischen nicht mehr habe, verpflichtet werden, einige Wochen vor dem CSD eine kurze, knappe Hotpantjeans, erstens, Tag und Nacht ununterbrochen zu tragen und, zweitens, weder sich noch dieses winzige Kleidungstück Jeans zu waschen. Aber er müsste alle Ejakulationen während dieser Vorbereitungswoche in die Hosen abladen! Und ich würde ihn zudem nicht sehen dürfen und am Regenbogenparadentag dann wie Christus aus dem Grab auf den Anhänger hinaufkriechen. Die Augen würden mir verbunden werden, und eine Kette würde meine Hände auf den Rücken fixieren. Ich müsste kniend Platz nehmen, er aber, der Versaute, würde majestätisch auf einem Stuhl sich hinsetzen. Die Kette wäre aber auf den Millimeter genau so lang, dass ich seinen Schritt nur riechen könnte, ihn also nie sehen oder berühren könnte. So verhält es sich mit der Dreifaltigkeit: Wir können sie nicht sehen, nur riechen, und die Taube flattert über uns hinweg ...

Die ungekürzte Version des Predigtdienstes ist über www.falter.at zu abonnieren.


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