Kommentar

Dorotheum: Mollig ist schön

Kultur | Nicole Scheyerer | aus FALTER 15/07 vom 11.04.2007

Es ist schon eigenartig, sich zum 300. Geburtstag vor einer österreichischen Institution zu verneigen, die 294 Jahre als Staatsunternehmen aufgebaut wurde. Bis zu seiner Privatisierung 2001 war das Florieren des Auktionshauses öffentliches Interesse, heute ist das Dorotheum nur noch ein Betrieb unter anderen. Gewinne, Rekorde und Niederlagen in der Dorotheergasse kümmern eigentlich nur mehr die GmbH von Christoph Dichand und Erwin Soravia. Der hohe Identitifizierungsgrad der Österreicher mit der Marke Dorotheum dürfte einer der stärksten Kaufgründe für die neuen Besitzer gewesen sein. Sie nehmen die Gratulationen für ein dickes Buch entgegen, von dem sie nur die allerletzten Seiten geschrieben haben.

Wenn jetzt also die lange Geschichte von Tante Dorothee gefeiert wird (siehe Artikel nächste Seite), dann dürfen sich nur bedingt diejenigen freuen, die die kränkelnde Verwandte 294 Jahre lang gepflegt haben. Natürlich hat Tantchen ihnen dafür regelmäßig was zugesteckt und in


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