Spielplan

Kultur | Bettina Hagen | aus FALTER 15/07 vom 11.04.2007

Das Space in der Gumpendorfer Straße öffnet mit "Pornokino" (bis 29.4.) die Türe zu einer kleinen Welt der vermeintlich ungebremsten Triebe. Zwischen Vogelgezwitscher, Schokobananen, einer Lackschwester, schwarzen Augenmasken und Müllsäcken (zum Schutz vor klebrigen Substanzen) lässt sich das Publikum auf harten Holzbänken nieder und wird sodann aus unmittelbarer Nähe mit nackten Tatsachen bedient. Ein Pornokino ist ein Ort, an dem die Institutionalisierung des Tabubruchs stattfindet, und jeder findet es ganz normal. In diesem theatralischen Voyeurismussetting bekommt die Künstlichkeit aufseiten der Performer und der Zuschauer fast etwas Beklemmendes. Vielleicht lässt sich die etwas abartig freundliche Atmosphäre durch die starke Frauenpräsenz erklären. Sich in einer Produktion, die "Pornokino" heißt, eine ernsthafte Reflexion über Pornografie zu erwarten, zeugt von boboesker Naivität. Sehr wohl hingegen bewirkt dieses Zusammensein auf engstem Raum die Unterdrückung der eigenen faunischen Gelüste.

Auch im Tanzquartier wird gerade das Thema Pornografie bearbeitet. Die Choreografin und Performerin Sabine Sonnenschein, deren poetischer Name fast immer mit der Zurschaustellung ihres nackten Körpers einhergeht, beschäftigt sich in dem Open Lab "Pornonom" mit der realen, filmischen und theoretischen Präsentation des Körpers als Sexobjekt. An den öffentlich zugänglichen Abenden (letzter Termin: 14.4.) ist das Publikum eingeladen, selber mitzumachen und Hand anzulegen; die Performerinnen und Performer sind wie "Spielstationen" im Raum verteilt. Der Verdacht, dass sich Pornografie und intellektueller Diskurs - jetzt einmal abgesehen vom feministischen Zugang - nicht unbedingt zusammenbringen lassen, ist nicht neu. Sexuelle Handlungen können nicht von jedem öffentlich gleich entspannt konsumiert werden. Doch einmal mehr bestätigt sich, dass es Menschen gibt, die sich gerne als Erste auf ein üppiges Buffet stürzen, während anderen in solchen Momenten der Appetit vergeht.


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